Kapitel 3 von 6
Jetzt wächst die Pflanze so schnell wie nie wieder — und alles, was du in dieser Zeit an ihrer Form änderst, bestimmt später, wie viele Blüten sie tragen kann. Nach dem Umstieg in die Blüte ist die Struktur festgelegt.
Die Blätter bekommen mehr Finger — erst drei, dann fünf, später sieben — und die Pflanze bildet an jedem Blattachsel einen neuen Trieb an. Sie wächst nicht mehr nur nach oben, sondern in die Breite.
Das ist auch der Moment, ab dem sie deutlich mehr verträgt: mehr Licht, mehr Wasser, mehr Nährstoffe. Die Zurückhaltung, die einem Sämling guttut, bremst eine Pflanze in dieser Phase.
Die Wurzeln bestimmen, wie groß die Pflanze wird — und ein Topf, der zu klein bleibt, deckelt sie. Umgekehrt ist ein zu großer Topf am Anfang kein Vorteil, weil die nasse Erde, die keine Wurzel erreicht, nur langsam abtrocknet.
Deshalb wird schrittweise umgetopft, meist ein- bis zweimal in dieser Phase. Der Zeitpunkt ist an der Pflanze abzulesen: Wenn sie deutlich schneller Wasser zieht als noch vor einer Woche, ist das Substrat durchwurzelt.
Nach dem Umtopfen ein bis zwei Tage nichts ändern. Kein Dünger, kein Training. Die Pflanze steckt den Wechsel meist ohne Zeichen weg, aber sie hat gerade genug zu tun.
Das ist die eigentliche Entscheidung dieser Phase, und sie hat keine allgemeingültige Antwort — sie hängt an deiner Höhe. Als Faustregel verdoppelt bis verdreifacht eine Pflanze ihre Höhe nach dem Umstieg in die Blüte. Wer bei einem Meter umstellt, plant für zwei bis drei.
Rechne rückwärts von der Höhe deines Zelts, abzüglich Lampe und Abstand. Was übrig bleibt, geteilt durch drei, ist ungefähr die Höhe, bei der du umstellen solltest.
Die zweite Größe ist die Zeit: Vier Wochen Vegetation ergeben eine andere Pflanze als zwei. Wer den Erntetermin plant, verschiebt ihn mit jeder zusätzlichen Woche Wachstum um genau diese Woche.
⚠ Bei Autoflowering-Sorten entfällt die Entscheidung: Sie stellen von selbst um, unabhängig vom Lichtzyklus. Training ist dort zurückhaltender einzusetzen, weil die Pflanze keine Zeit hat, sich zu erholen.
Eine unbehandelte Pflanze bildet eine dominante Spitze und darunter kleinere Nebentriebe. Unter einer Lampe ist das ungünstig: Die Spitze bekommt zu viel Licht, der Rest zu wenig. Training verteilt das um.
Die Pflanze wächst der Lampe entgegen, und der Abstand, der letzte Woche richtig war, ist es diese Woche nicht mehr. Das ist der eine Handgriff, den man in dieser Phase regelmäßig wiederholt.
Zu nah erkennt man an aufgestellten, becherförmigen Blättern und gebleichten Spitzen direkt unter der Lampe; zu weit an gestreckten Abständen zwischen den Blattetagen.
Wie viel Licht tatsächlich unten ankommt, lässt sich mit einem Luxmeter messen und umrechnen — der Wert sinkt mit dem Quadrat des Abstands, halber Abstand bedeutet also nicht doppelt so viel Licht, sondern viermal so viel.
Ausgelöst wird er über die Beleuchtungsdauer: von den langen Tagen der Wachstumsphase auf zwölf Stunden Licht und zwölf Stunden Dunkelheit. Die Dunkelphase muss ununterbrochen sein — kurzes Licht mittendrin kann den Umstieg stören.
Sichtbar wird die Umstellung nicht sofort. Die Pflanze streckt sich zunächst weiter, oft über ein bis zwei Wochen; erst danach zeigen sich die ersten weißen Härchen an den Trieben. Genau diese Streckung ist der Grund für die Faustregel oben.
Ab dem Umstieg ändern sich auch die Zielwerte: weniger Luftfeuchte, andere Nährstoffverhältnisse. Das ist das Thema des nächsten Kapitels.
Vier Dinge: jedes Umtopfen mit Topfgröße, jeden Trainingseingriff, die Höhe beim Umstieg auf 12/12 und den Tag der Umstellung.
Die Höhe beim Umstieg ist die wertvollste Notiz des ganzen Durchgangs. Beim nächsten Mal weißt du, ob du zu früh oder zu spät umgestellt hast — und das ist die Zahl, an der die meisten Zelte scheitern, nicht am Licht oder am Dünger.
Sie dauert so lange, wie du sie dauern lässt — bei photoperiodischen Sorten entscheidet der Lichtzyklus, nicht die Pflanze. Üblich sind drei bis acht Wochen. Wie sich das auf den Erntetermin auswirkt, zeigt der Erntedatum-Rechner.
Dasselbe wie vegetative Phase oder Wachstumsphase — eine im deutschen Grow-Umfeld verbreitete Abkürzung. Gemeint ist die Zeit zwischen Sämling und Blüte, in der die Pflanze nur Blätter und Triebe bildet.
Wenn die Pflanze etwa ein Drittel bis die Hälfte ihrer geplanten Endhöhe erreicht hat — sie verdoppelt bis verdreifacht sich danach noch. Der begrenzende Faktor ist die nutzbare Höhe unter der Lampe, nicht das Alter der Pflanze.
Herunterbinden ist schonender und kostet kein Wachstum, Topping wirkt stärker auf die Struktur. Viele kombinieren beides. ⚠ Bei Autoflowering-Sorten möglichst nur herunterbinden: Sie haben keine Zeit, sich von einem Schnitt zu erholen.
Meist ein- bis zweimal. Das Signal ist nicht der Kalender, sondern der Wasserverbrauch: Zieht die Pflanze deutlich schneller als vorher, ist der Topf durchwurzelt.
Deutlich mehr als ein Sämling, aber noch nicht so viel wie in der Blüte. Die Zielspanne je Phase — und was dein Lampenabstand tatsächlich liefert — steht im PPFD- und DLI-Rechner.
Meist an zu wenig Licht: Die Pflanze streckt sich der Lampe entgegen. Seltener an zu viel Wärme. Wer den Abstand verringert, sollte danach auf gebleichte Blattspitzen achten — das wäre das andere Extrem.
In Maßen. Große Blätter, die einen Trieb komplett beschatten, dürfen weg. ⛔ Wer großflächig entlaubt, nimmt der Pflanze die Fläche, mit der sie ihr Wachstum überhaupt betreibt — der Schaden ist größer als der Lichtgewinn.
Nein. Sie beginnen unabhängig vom Lichtzyklus zu blühen, meist nach zwei bis vier Wochen. Deshalb bleibt der Lichtzyklus über den ganzen Durchgang gleich — und Eingriffe an der Struktur sollten früh und zurückhaltend erfolgen.
An kleinen weißen Härchen in den Blattachseln — den ersten Blütenstempeln. Sie zeigen sich ein bis zwei Wochen nach der Umstellung. Bis dahin streckt sich die Pflanze weiter, was normal ist und eingeplant gehört.