Kapitel 4 von 6
Ab jetzt baut die Pflanze keine Struktur mehr auf, sondern füllt die, die sie hat. Das verschiebt die Arbeit: weniger eingreifen, mehr beobachten — und einmal wöchentlich prüfen, ob sich zwischen den dichter werdenden Blüten Feuchtigkeit hält.
Nach der Umstellung passiert zunächst das Gegenteil von dem, was man erwartet: Die Pflanze streckt sich weiter, oft deutlich. Diese Phase dauert ein bis zwei Wochen und ist der Grund, warum die Höhe beim Umstieg so entscheidend war.
Erst danach zeigen sich die ersten weißen Härchen in den Blattachseln. Von da an geht die Energie in die Blüten, nicht mehr in Höhe.
Wer in dieser Zeit merkt, dass es unter der Lampe zu eng wird, hat noch eine Möglichkeit: Triebe herunterbinden. Schneiden ist keine mehr.
Die Liste ist kurz, aber sie ist der wichtigste Teil dieses Kapitels.
Zwei Eingriffe sind in der Blüte noch sinnvoll, beide früh und beide sparsam.
Untere Triebe entfernen, die kaum Licht abbekommen: Sie werden ohnehin nur kleine, lockere Blüten bilden und binden Energie, die oben besser aufgehoben ist. Das geschieht einmal in den ersten zwei Wochen, nicht laufend.
Einzelne große Blätter, die direkt auf einer Blüte liegen, dürfen weichen — sie halten dort Feuchtigkeit fest. Großflächiges Entlauben ist kein Ertragstrick: Die Pflanze füllt ihre Blüten aus den Blättern, die sie noch hat.
Blüten werden schwer, und zwar schneller, als man denkt. Ein Trieb, der sich in der siebten Woche unter dem eigenen Gewicht neigt, knickt in der achten.
Am einfachsten geht das mit einem Netz, das waagerecht über die Pflanzen gespannt wird, solange sie noch klein genug sind — durchgewachsene Triebe stützen sich darin von selbst. Wer das verpasst hat, bindet einzelne Triebe an Stäbe.
Rechtzeitig heißt: bevor es nötig aussieht. Ein bereits geneigter Trieb lässt sich nur noch schwer aufrichten, ohne ihn zu brechen.
Dichte Blüten und stehende, feuchte Luft sind die Bedingung, unter der Blütenfäule entsteht. Sie beginnt im Inneren einer Blüte und ist von außen erst zu sehen, wenn sie schon eine Weile läuft — an einem einzelnen welken Blatt mitten im Blütenstand, das sich mühelos herausziehen lässt.
Dagegen hilft keine Behandlung, sondern Vorbeugung: ein Ventilator, der die Luft zwischen den Pflanzen bewegt, ausreichender Abstand zwischen den Pflanzen und eine Abluft, die die feuchte Luft tatsächlich hinausbefördert.
Dazu kommt die Luftfeuchte selbst — sie wird über die Blüte hinweg schrittweise gesenkt. Ab welchem Wert es kritisch wird und wie er mit der Temperatur zusammenhängt, steht mit Rechner auf der VPD-Seite. Hier ist wichtiger: einmal in der Woche in den Bestand hineinsehen, nicht nur darüber.
Er nimmt ab der Mitte der Blüte deutlich zu und erreicht in den letzten Wochen sein Maximum. Wer erst dann reagiert, reagiert zu spät.
Ein Aktivkohlefilter in der Abluft ist die übliche Lösung. Damit er wirkt, muss die Luft durch ihn hindurch und nicht an ihm vorbei — das heißt: Das Zelt sollte im leichten Unterdruck stehen, die Wände also spürbar leicht nach innen gezogen sein.
Die Blüten legen jetzt vor allem an Dichte zu, nicht mehr an Größe. Gleichzeitig ziehen sich die unteren Blätter zurück und werden gelb — das ist in dieser Phase normal und kein Mangel, solange es von unten nach oben verläuft und die Blüten selbst fest bleiben.
Der Nährstoffbedarf sinkt gegen Ende wieder; die Spitze liegt in der Mitte der Blüte, nicht am Schluss. Die Werte je Phase stehen im pH- und EC-Rechner.
Wann genau geschnitten wird, entscheidet nicht der Kalender, sondern die Pflanze — daran hängt ein eigenes Kapitel. Was du bis dahin tun kannst: den Termin grob planen und die Trocknung einrechnen, die noch einmal gut zwei Wochen dauert.
Drei Dinge: den Tag der ersten sichtbaren Stempel, jede Auffälligkeit an Blättern oder Blüten mit Datum und die Woche, in der du zuletzt ausgedünnt hast.
Der erste Punkt ist der eigentliche Beginn der Blütezeit — Züchterangaben beziehen sich meistens darauf und nicht auf den Tag der Lichtumstellung. Wer beides notiert, weiß beim nächsten Mal, wie lange die eigene Streckung gedauert hat.
Je nach Sorte etwa sieben bis zwölf Wochen, bei sehr langblühenden auch mehr. Die Angabe des Züchters bezieht sich meist auf den Tag der ersten Blütenstempel, nicht auf die Lichtumstellung — dazwischen liegen noch ein bis zwei Wochen. Der Erntedatum-Rechner rechnet beides zusammen.
Das ist normal und heißt Streckung: In den ersten ein bis zwei Wochen verdoppelt bis verdreifacht sich die Höhe. Erst danach geht die Energie in die Blüten. Deshalb wird nicht bei der Endhöhe umgestellt, sondern bei einem Drittel bis der Hälfte davon.
Einzelne, die direkt auf einer Blüte liegen und dort Feuchtigkeit halten — ja, und zwar früh. Großflächiges Entlauben in der späten Blüte kostet Ertrag: Die Blüten werden aus den verbliebenen Blättern gefüllt.
Gegen Ende der Blüte ist es normal: Die Pflanze zieht Nährstoffe aus den älteren Blättern in die Blüten. Bedenklich wird es, wenn es früh in der Blüte auftritt, schnell nach oben wandert oder die Blüten selbst weich werden.
An einem einzelnen welken oder verfärbten Blatt mitten im Blütenstand, das sich mühelos herausziehen lässt — darunter ist die Blüte innen bereits braun. Deshalb wöchentlich in den Bestand hineinsehen, nicht nur darüber. Befallene Stellen kommen großzügig weg.
Sie wird über die Blüte hinweg schrittweise gesenkt, weil dichte Blüten und feuchte Luft zusammen das Schimmelrisiko ergeben. Die Zielwerte je Phase und ihr Zusammenhang mit der Temperatur stehen mit Rechner im VPD-Rechner.
Besser nicht. Der Wurzelschock kostet Ertrag, und die Pflanze hat keine Zeit, ihn aufzuholen. Wenn der Topf zu klein ist, war der Zeitpunkt die Wachstumsphase — jetzt hilft nur, häufiger und dafür weniger zu gießen.
Sobald sich Triebe unter dem Blütengewicht neigen, ja. Einfacher ist es, vorher ein Netz waagerecht zu spannen, solange die Pflanzen klein genug sind — die Triebe wachsen hindurch und stützen sich von selbst.
Deutlich ab der Mitte der Blüte, am stärksten in den letzten Wochen. Ein Aktivkohlefilter gehört vor diesen Zeitpunkt eingebaut — und das Zelt sollte im leichten Unterdruck stehen, damit die Luft durch den Filter geht statt an ihm vorbei.
Das hängt vor allem an der Lichtmenge und der Fläche, weniger an der Sorte. Eine realistische Spanne statt einer Wunschzahl liefert der Ertragsrechner — Züchterangaben auf der Verpackung sind Bestwerte unter Laborbedingungen.