Kapitel 5 von 6
Kaum ein Thema wird so hitzig diskutiert. Ein Teil der Debatte löst sich allerdings auf, sobald man merkt, dass zwei völlig verschiedene Handgriffe denselben Namen tragen — und nur einer davon umstritten ist.
Wer „Spülen" liest, sollte zuerst prüfen, welches der beiden gemeint ist. Die Debatte, die man überall findet, betrifft nur das zweite.
Die Argumentation der Befürworter ist plausibel: Weniger Salze im Substrat bedeuten weniger Salze, die in den letzten Tagen noch aufgenommen werden. Wer schon einmal überdüngte Blüten geraucht hat, kennt den kratzigen Beigeschmack, den man damit vermeiden will.
Dagegen steht ein ebenso plausibles Argument: Was in der Pflanze ist, ist in der Pflanze. Eine Woche ohne Dünger schwemmt nichts aus dem Gewebe heraus — sie sorgt nur dafür, dass nichts Neues dazukommt. Kontrollierte Vergleiche, bei denen gespülte und ungespülte Pflanzen desselben Durchgangs verkostet und analysiert wurden, fanden keine belastbaren Unterschiede.
⚠ Was in dieser Debatte oft untergeht: Beide Seiten reden von einer korrekt gedüngten Pflanze. Wer über Wochen zu hoch gefahren ist, hat ein Problem, das eine Woche Wasser nicht mehr löst — und für den ist der erste Punkt oben der richtige, nicht dieser.
In den Zielwerten der App ist die letzte Blütewoche als eigene Phase geführt, mit einem EC-Ziel unter 0,4 mS/cm. ⚠ Nur die letzte Woche, und nur bei Sorten, deren Blüte mindestens sechs Wochen dauert.
Das ist bewusst weniger, als viele Anleitungen empfehlen. Der Grund ist die Nebenwirkung: Eine Pflanze, die zwei oder drei Wochen nur Wasser bekommt, fährt ihre Blätter herunter, während die Blüten noch zulegen könnten. Was man an Reinheit zu gewinnen hofft, zahlt man dann in Ertrag.
Eine Woche kostet praktisch nichts und nimmt das Argument der Befürworter mit. Das ist die Abwägung dahinter — ⛔ keine Aussage darüber, wer in der Debatte recht hat.
Es ist der unspektakulärste Handgriff des ganzen Durchgangs: Ab dem Zeitpunkt gibt es nur noch Wasser — kein Dünger, sonst alles wie gehabt. Gegossen wird weiter nach Bedarf, nicht mehr und nicht weniger.
Der pH-Wert bleibt wichtig. Reines Leitungswasser ohne Anpassung liegt oft deutlich über dem Zielbereich, und ein falscher pH in der letzten Woche kann Mängel auslösen, wo vorher keine waren.
⛔ Was nicht nötig ist: literweise Wasser durch den Topf jagen. Das ist der Handgriff aus dem ersten Abschnitt — Problembehebung bei Salzansammlung, nicht Routine vor der Ernte.
Das ist der häufigere Fehler, und er hat ein deutliches Zeichen: Die Pflanze vergilbt nicht nur unten, sondern von unten nach oben durch, und die Blüten legen sichtbar nicht mehr zu.
Weil das Ende der Blüte selten auf den Tag genau vorhersagbar ist, verschiebt sich der Zeitpunkt gern nach vorn — man will nichts verpassen. ⭐ Besser andersherum: lieber eine Woche zu spät anfangen als zwei zu früh. Wer den Schnitt ohnehin verschiebt, hat auch beim Spülen noch Luft.
Rückwärts vom geplanten Schnitt gerechnet: eine Woche davor. Das setzt voraus, dass der Termin überhaupt geplant ist — und genau daran hängt der zweite Teil dieser Rechnung.
Die Blütezeit der Sorte steht auf der Verpackung und ist der verlässlichste Wert dafür. Wer sie zusammen mit dem tatsächlichen Blütebeginn in den Erntedatum-Rechner einträgt, bekommt den Tag, an dem geschnitten wird — und rechnet von dort eine Woche zurück.
⚠ Der endgültige Schnitttermin entscheidet sich trotzdem an der Pflanze, nicht am Kalender. Wie man ihr das ansieht, steht im nächsten Kapitel.
Zwei Dinge, und beide zahlen sich erst beim übernächsten Durchgang aus: der Tag, an dem du auf Wasser umgestellt hast, und ob du beim Rauchen später einen Unterschied gemerkt hast.
⭐ Das klingt banal, ist aber der einzige belastbare Weg, sich in dieser Frage eine eigene Meinung zu bilden: Wer einen Durchgang mit und einen ohne fährt und beides notiert, weiß es für seine Bedingungen — und braucht die Debatte nicht mehr.
Nötig im Sinne von „sonst geht etwas schief" ist es nicht. Kontrollierte Vergleiche fanden keine belastbaren Unterschiede. Eine Woche kostet aber praktisch nichts — deshalb führt CRIS sie als eigene Phase mit einem EC-Ziel unter 0,4 mS/cm.
Etwa eine Woche. ⛔ Zwei bis drei Wochen, wie mancherorts empfohlen, kosten Ertrag: Die Pflanze fährt ihre Blätter herunter, während die Blüten noch zulegen könnten.
Durchspülen ist Problembehebung bei Salzansammlung im Substrat und kann in jeder Phase nötig werden — es ist unstrittig. Spülen vor der Ernte meint die letzte Woche mit klarem Wasser und ist die umstrittene Praxis. Zum Durchspülen samt Zielwerten: pH- und EC-Rechner.
Ja. Reines Leitungswasser liegt oft deutlich über dem Zielbereich, und ein falscher pH in der letzten Woche kann Mängel auslösen, wo vorher keine waren. Weniger Dünger heißt nicht weniger Sorgfalt.
Die Pflanze vergilbt nicht nur unten, sondern von unten nach oben durch, und die Blüten legen sichtbar nicht mehr zu. ⭐ Lieber eine Woche zu spät anfangen als zwei zu früh.
Der Zielwert ist derselbe, der Ablauf unterscheidet sich: Ohne Substratpuffer reagiert die Pflanze schneller auf den Wechsel. In Erde ist ohnehin noch etwas gespeichert, was den Übergang abfedert.
Nicht mehr als sonst. ⛔ Literweise durch den Topf zu spülen ist der Handgriff gegen Salzansammlung, nicht die Routine vor der Ernte — bei einer normal gedüngten Pflanze bringt es nichts und schwemmt nur Substrat aus.
In der letzten Blütewoche normal: Die Pflanze holt sich, was sie noch braucht, aus den älteren Blättern. Bedenklich wäre es, wenn es früh in der Blüte auftritt oder schnell nach oben durchschlägt.
Eine Woche vor dem geplanten Schnitt. Der Termin ergibt sich aus Blütebeginn und der Blütezeit der Sorte — beides trägt man in den Erntedatum-Rechner ein. ⚠ Der endgültige Schnitt entscheidet sich an der Pflanze.
Dieselbe Logik, nur bei kurzer Blüte weniger sinnvoll: CRIS setzt die Spülphase erst ab sechs Wochen Blütezeit an. Bei sehr schnellen Sorten bleibt schlicht keine Woche übrig, ohne der Pflanze etwas wegzunehmen.