Kapitel 6 von 6
Vier Monate Arbeit entscheiden sich in zwei Wochen. Der Schnitt selbst ist schnell erledigt — was danach kommt, macht den Unterschied zwischen einem guten Ergebnis und einem, das nach Heu riecht.
Ein geplanter Erntetermin ist eine gute Näherung, mehr nicht. Ob wirklich geschnitten wird, entscheidet die Pflanze — und sie zeigt es an zwei Stellen.
Die Blütenstempel sind das grobe Signal: Solange die weißen Härchen noch frisch aus den Blüten stehen, ist es zu früh. Wenn der überwiegende Teil eingerollt und orange oder braun gefärbt ist, kommt der Zeitpunkt näher. ⚠ Das allein reicht nicht — Stempel können auch durch Berührung oder trockene Luft verfärben.
Die Trichome sind das genaue Signal. Das sind die winzigen Harzköpfchen auf Blüten und den kleinen Blättern dazwischen. Mit einer Lupe oder einem Taschenmikroskop sind drei Zustände zu unterscheiden: klar (zu früh), milchig-trüb (der übliche Zielbereich) und bernsteinfarben (weiter fortgeschritten).
Die meisten schneiden, wenn der Großteil milchig ist und einzelne bernsteinfarben werden. ⚠ Wichtig ist, an mehreren Stellen zu schauen — oben reift es schneller als unten, und die kleinen Blätter reifen anders als die Blüten selbst.
In den letzten Tagen wird nur noch Wasser gegeben — das ist das Thema des vorigen Kapitels.
Verbreitet ist außerdem, die Pflanze ein bis zwei Tage vor dem Schnitt dunkel stehen zu lassen und am Erntetag nicht mehr zu gießen. Beides ist unstrittig harmlos; ob es etwas bringt, ist es nicht. ⚠ Wer beides ausprobieren will, sollte es notieren — sonst hat man am Ende zwei Änderungen und keine Erkenntnis.
Zwei Wege führen zum Ziel. Ganze Pflanze: Der Hauptstamm wird durchtrennt und die Pflanze am Stück aufgehängt. Das trocknet langsamer und gleichmäßiger, weil der Stamm Feuchtigkeit hält — der Vorteil, wenn die Raumluft eher trocken ist.
Einzelne Zweige: Sie brauchen weniger Platz, trocknen schneller und lassen sich einzeln beurteilen. Der Weg, wenn nur ein kleiner Trockenraum zur Verfügung steht.
Geschnitten wird mit einer sauberen, scharfen Schere. ⚠ Harz klebt sofort und macht die Klinge stumpf — ein Lappen und etwas Alkohol daneben ersparen viel Ärger.
Die großen Blätter kommen in jedem Fall weg. Die Frage ist, wann die kleinen dran sind, die aus den Blüten herausstehen.
Der Rest ist eine einzige Regel: Es soll etwa zehn bis vierzehn Tage dauern. Alles, was in drei Tagen fertig ist, riecht nach Heu — die Stoffe, die für Geruch und Geschmack sorgen, sind flüchtig und gehen bei zu warmer oder zu trockener Luft verloren.
Gebraucht wird ein dunkler Raum mit gemäßigter Temperatur, mäßiger Luftfeuchte und leichter Luftbewegung. ⛔ Kein Ventilator, der direkt auf das Material bläst — er trocknet die Außenseite, während innen alles feucht bleibt.
⚠ Zu feucht ist die andere Gefahr: Steht die Luft und ist sie zu feucht, entsteht Schimmel in genau dem Moment, in dem alles geschafft schien.
Der einzige verlässliche Test ist ein dünner Zweig: Bricht er mit einem hörbaren Knacken, ist es so weit. Biegt er sich nur, braucht es noch Zeit.
Die Blüten selbst fühlen sich dann außen trocken an, sind aber nicht bröselig. Ein Rest Feuchtigkeit im Inneren ist erwünscht — er ist die Grundlage für den nächsten Schritt.
Nach dem Trocknen ist das Material fertig, aber noch nicht gut. Beim Fermentieren — auch Aushärten oder Curing genannt — verteilt sich die verbliebene Feuchtigkeit gleichmäßig, und Reste aus dem Pflanzenstoffwechsel bauen sich ab. Das ist der Schritt, der den grasigen Beigeschmack verschwinden lässt.
Dafür kommt das Material in luftdicht verschließbare Behälter, die täglich kurz geöffnet werden, damit feuchte Luft entweichen kann. In den ersten Tagen öfter, danach seltener. ⚠ Riecht es beim Öffnen scharf oder muffig, war es noch zu feucht — dann muss es zurück an die Luft.
Nach etwa zwei Wochen ist der deutlichste Unterschied erreicht, und damit ist der Durchgang abgeschlossen.
Frisch geschnittenes Material besteht zum größten Teil aus Wasser. Vom Frischgewicht bleiben grob ein Fünftel bis ein Viertel übrig — das ist keine schlechte Nachricht, sondern der Normalfall, und der Grund, warum Angaben zum Frischgewicht wenig aussagen.
Wer vorab abschätzen will, was ein Durchgang bringt, rechnet ohnehin trocken: Der Ertragsrechner geht von Fläche und Lichtmenge aus und nennt eine Spanne statt einer Wunschzahl.
Der Durchgang ist vorbei — und genau jetzt entsteht der Wert für den nächsten. Vier Zahlen: der Schnitttag, der Zustand der Trichome dabei, die Trockendauer in Tagen und das Trockengewicht.
⭐ Aus dem Abstand zwischen Blütebeginn und Schnitt ergibt sich die tatsächliche Blütezeit deiner Sorte unter deinen Bedingungen — die Angabe auf der Verpackung ist nur ein Richtwert. Beim nächsten Durchgang planst du damit auf ein paar Tage genau statt auf zwei Wochen.
An den Trichomen, nicht am Kalender: überwiegend milchig-trüb, einzelne bernsteinfarben. Die orange gefärbten Blütenstempel sind nur ein grober Hinweis. ⚠ An mehreren Stellen prüfen — oben reift es schneller als unten. Den ungefähren Termin plant der Erntedatum-Rechner.
Etwa zehn bis vierzehn Tage. ⛔ Schneller ist keine Zeitersparnis, sondern ein Qualitätsverlust — die flüchtigen Stoffe, die Geruch und Geschmack ausmachen, gehen bei zu warmer oder zu trockener Luft verloren.
Am Stück trocknet langsamer und gleichmäßiger, weil der Stamm Feuchtigkeit hält — gut bei trockener Raumluft. Einzelne Zweige brauchen weniger Platz und trocknen schneller. Beides funktioniert; die Raumbedingungen entscheiden.
Direkt nach dem Schnitt ist es einfacher, weil alles noch weich ist — dafür trocknet es danach schneller. Nach dem Trocknen bremsen die verbliebenen Blätter die Feuchtigkeitsabgabe, was in trockenen Räumen von Vorteil ist. Die Arbeit ist dann allerdings fummeliger.
Am Knacktest: Ein dünner Zweig bricht mit hörbarem Knacken. Biegt er sich nur, braucht es noch Zeit. Die Blüten sind außen trocken, aber nicht bröselig — ein Rest Feuchtigkeit im Inneren ist erwünscht.
Trocknen entzieht den Großteil des Wassers und dauert ein bis zwei Wochen. Fermentieren — auch Aushärten oder Curing — kommt danach: In verschließbaren Behältern verteilt sich die Restfeuchte gleichmäßig und Reste aus dem Pflanzenstoffwechsel bauen ab. Das ist der Schritt gegen den grasigen Beigeschmack.
⛔ Nein. Er trocknet die Außenseite, während innen alles feucht bleibt — und genau dort entsteht dann Schimmel. Leichte Luftbewegung im Raum ja, direkter Luftstrom nein.
Grob ein Fünftel bis ein Viertel — frisches Material besteht zum größten Teil aus Wasser. Deshalb sagen Angaben zum Frischgewicht wenig aus. Eine realistische Vorabschätzung liefert der Ertragsrechner.
Verbreitet ist es, belegt nicht. Harmlos ist es aber auch. ⚠ Wer es ausprobiert, sollte nicht gleichzeitig etwas anderes ändern — sonst hat man am Ende zwei Änderungen und keine Erkenntnis.
Zurück an die Luft. Ein scharfer oder muffiger Geruch beim Öffnen heißt, dass noch zu viel Feuchtigkeit im Material war. ⚠ Das ist der Moment, in dem nach Wochen Arbeit noch alles verloren gehen kann — deshalb in den ersten Tagen häufiger öffnen.