Kapitel 2 von 6

Den Sämling durch die ersten Wochen bringen

Ein Sämling ist zwei bis drei Wochen lang vor allem eines: empfindlich gegen gute Absichten. Zu viel Wasser, zu viel Dünger, zu viel Licht — die meisten Verluste in dieser Phase entstehen durch Zutun, nicht durch Vernachlässigung.

Cannabis-Sämling mit runden Keimblättern und dem ersten Paar gezackter Blätter im Anzuchttopf
Die beiden schmalen Keimblätter unten gehören noch zum Samen. Das gezackte Paar darüber ist das erste echte — ab hier beginnt die Sämlingsphase.

Woran du erkennst, dass die Sämlingsphase läuft

Am ersten Paar gezackter Blätter. Die beiden runden, glatten Blätter darunter sind Keimblätter und gehören zum Samen — sie haben die Pflanze bis hierher versorgt und werden später gelb und fallen ab. Das ist kein Mangel, sondern planmäßig.

Ab dem echten Blattpaar ernährt sich die Pflanze selbst: Sie betreibt Photosynthese und baut Wurzeln. Diese Phase dauert etwa zwei bis drei Wochen und endet, wenn die Pflanze anfängt, sichtbar in die Breite zu gehen statt nur in die Höhe.

Gießen — hier gehen die meisten Sämlinge verloren

Ein Sämling hat ein Wurzelwerk von der Größe einer Münze und einen Wasserbedarf, der dazu passt. Der Topf drumherum ist verglichen damit riesig, und die nasse Erde, die er nicht erreicht, trocknet nicht ab. Genau daran ersticken junge Wurzeln.

Deshalb: rings um den Stängel gießen, nicht den ganzen Topf fluten. Ein kleiner feuchter Bereich, der sich nach außen ausdehnt, zieht die Wurzeln mit. Ein durchnässter Topf lädt sie ein, an Ort und Stelle zu bleiben.

Wann wieder? Wenn der Topf spürbar leichter geworden ist. Das ist der verlässlichste Test in dieser Phase — die Oberfläche kann trocken aussehen, während es zwei Zentimeter tiefer nass ist.

Licht: nah genug, aber gedrosselt

Zwei Fehler sind hier möglich, und sie sehen unterschiedlich aus.

Der erste Dünger — später als die meisten denken

In den ersten ein bis zwei Wochen braucht ein Sämling in vorgedüngter Erde gar nichts. Was der Samen mitgab und was im Substrat steckt, reicht. Wer trotzdem düngt, riskiert genau das Schadbild, das er verhindern wollte — verbrannte Blattspitzen.

Der Einstieg ist deutlich schwächer als die Angabe auf der Flasche, und er wird über mehrere Gaben gesteigert statt in einem Schritt. Wie schwach genau, hängt am Substrat: Erde bringt eigene Nährstoffe mit, Coco und Hydro nicht.

Die Zielwerte je Phase und Substrat stehen im pH- und EC-Rechner, samt Mischrechnung für das eigene Leitungswasser.

Umtopfen: wann und wie

Der richtige Zeitpunkt ist nicht an einem Datum festzumachen, sondern an der Pflanze: Wenn die Blätter über den Topfrand hinausragen und die Erde spürbar schneller abtrocknet als am Anfang, ist das Wurzelwerk so weit.

Umgetopft wird in feuchte, nicht nasse Erde, und der Wurzelballen bleibt ganz. Ein Sämling verträgt das Umsetzen problemlos, solange die Wurzeln nicht auseinandergezogen werden.

Ist der Stängel lang und dünn geraten, ist dies die Gelegenheit: tiefer setzen, bis knapp unter die Keimblätter. Der vergrabene Teil bildet zusätzliche Wurzeln, und die Pflanze steht danach stabil.

Zwei Schadbilder, die leicht zu verwechseln sind

Hängende Blätter bedeuten nicht automatisch Durst. Sie bedeuten, dass die Wurzeln nicht arbeiten — und das ist bei Sämlingen häufiger eine Folge von zu viel Wasser als von zu wenig.

Der Unterschied liegt im Gefühl: Bei Trockenheit sind die Blätter schlaff und papierartig, der Topf leicht. Bei Überwässerung wirken sie prall und schwer und biegen sich nach unten, der Topf ist schwer. ⚠ Wer im zweiten Fall gießt, macht es schlimmer.

Gelbe Blätter sind in dieser Phase meist harmlos, solange es die unteren Keimblätter sind. Werden dagegen die echten Blätter von der Spitze her gelb oder braun, war es Dünger.

Was du in dieser Phase notierst

Drei Dinge, und alle drei zahlen sich beim nächsten Durchgang aus: der Tag, an dem das erste echte Blattpaar da war, der Tag der ersten Düngergabe samt Dosierung, und der Tag des Umtopfens.

Die erste Zahl gibt dir die Länge deiner Sämlingsphase unter deinen Bedingungen — kein Ratgeber kann sie dir sagen. Die zweite ist der Bezugspunkt, wenn später etwas mit den Blättern nicht stimmt: Ohne Notiz rätst du, ob es zu früh oder zu viel war.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Sämlingsphase

Wie lange dauert die Sämlingsphase?

Etwa zwei bis drei Wochen — vom ersten echten Blattpaar bis zu dem Punkt, an dem die Pflanze in die Breite geht. Wie lange genau, hängt an Licht und Temperatur. Für die Planung des gesamten Durchgangs ist sie im Erntedatum-Rechner Teil der Startphase.

Wie oft muss ich einen Sämling gießen?

Nicht nach Zeitplan, sondern nach Gewicht: Wenn der Topf spürbar leichter geworden ist. Bei einem kleinen Topf kann das alle zwei Tage sein, bei einem großen deutlich seltener. ⚠ Die trockene Oberfläche ist kein Signal — darunter kann es nass sein.

Wann bekommt ein Sämling zum ersten Mal Dünger?

In vorgedüngter Erde meist gar nicht in den ersten ein bis zwei Wochen. In Coco oder Hydro früher, weil dort nichts im Substrat steckt. Angefangen wird deutlich schwächer als auf der Flasche angegeben; die Zielwerte je Substrat stehen im pH- und EC-Rechner.

Mein Sämling ist lang und dünn — was tun?

Das kommt von zu wenig Licht. Rückgängig machen lässt es sich nicht, abmildern schon: beim Umtopfen tiefer setzen, bis knapp unter die Keimblätter. Der vergrabene Stängel bildet Wurzeln. Gleichzeitig die Lichtmenge erhöhen, sonst wiederholt es sich.

Die Keimblätter werden gelb — ist das schlimm?

Nein. Die beiden runden Blätter gehören zum Samen und werden abgeworfen, sobald die echten Blätter die Versorgung übernehmen. Bedenklich wird es erst, wenn die gezackten Blätter von der Spitze her gelb oder braun werden — das deutet auf zu viel Dünger.

Hängende Blätter — zu wenig oder zu viel Wasser?

Am Topfgewicht zu unterscheiden. Leichter Topf und schlaffe, papierartige Blätter heißt Durst. Schwerer Topf und pralle, nach unten gebogene Blätter heißt Überwässerung — dann ⛔ nicht gießen, sondern abtrocknen lassen.

Wann topfe ich den Sämling um?

Wenn die Blätter über den Topfrand hinausreichen und die Erde deutlich schneller abtrocknet als anfangs. Beides sind Zeichen für ein durchwurzeltes Substrat. Ein festes Datum gibt es nicht.

Wie viel Licht verträgt ein Sämling?

Deutlich weniger als eine ausgewachsene Pflanze — volle Leistung ab dem ersten Tag verbrennt ihn. Wie viel tatsächlich ankommt, lässt sich mit einem Luxmeter messen und im Lux-PPFD-Rechner umrechnen; die Zielspanne je Phase steht dort ebenfalls.

Braucht ein Sämling ein Anzuchthaus?

Nötig ist es nicht, hilfreich schon: Es hält die Luft gleichmäßig feucht, ohne dass gegossen werden muss. ⚠ Wichtig ist, es rechtzeitig zu öffnen — bleibt es zu lange geschlossen, gewöhnt sich die Pflanze nicht an die trockenere Raumluft.

Woran erkenne ich das Ende der Sämlingsphase?

Die Pflanze wächst nicht mehr nur nach oben, sondern bildet Seitentriebe und breitere Blätter mit mehr Fingern. Ab da beginnt die Wachstumsphase — und damit steigen Licht- und Nährstoffbedarf deutlich.

Zwei Wochen, die man später nachschlägt

Wann kam der erste Dünger, wann wurde umgetopft? CRIS hält es fest — offline auf dem Handy, ohne Konto. Beim nächsten Grow ist es die Antwort statt eine Erinnerungslücke.

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