Zwei Sorten mit unterschiedlicher Blütezeit — geht das?

Die kurze Antwort: bei zwei photoperiodischen Sorten fast immer, bei Photo und Autoflower zusammen nur mit einem Kompromiss. Was den Unterschied macht, ist nicht die Blütezeit selbst — es ist, was beim Ernten im laufenden Zelt passiert.

Zeitleiste: Beide Sorten starten am selben Tag mit der Umstellung auf zwölf Stunden. Sorte A ist nach acht Wochen reif, Sorte B nach elf — dazwischen liegen drei Wochen.
Beide starten am selben Tag. Der Abstand zwischen den Ernten steht damit schon vor der Umstellung fest — und er ist die Zeit, in der du im laufenden Blütezelt arbeitest.

Zwei photoperiodische Sorten: unkompliziert

Beide stehen im selben Lichtzyklus, beide bekommen dasselbe Klima, beide werden mit demselben Wasser gegossen. Dass die eine nach acht Wochen fertig ist und die andere nach elf, ändert daran zunächst nichts — sie blühen einfach unterschiedlich lange.

Was sich unterscheidet, ist der Zeitpunkt, an dem du an die Pflanze musst: einmal zum Spülen, einmal zum Schnitt. Und genau dort liegen die drei Punkte, um die es in diesem Artikel geht — nicht im Anbau selbst, sondern im Übergang.

Wer beide Laufzeiten vorher durchrechnet, weiß, wie weit die Ernten auseinanderliegen. Das macht der Erntedatum-Rechner — einmal je Sorte, mit derselben Umstellung auf 12/12.

Der eine Fall, der wirklich schwierig ist: Photo und Autoflower

Hier kollidieren zwei Steuerungen. Eine photoperiodische Sorte blüht, weil das Licht auf zwölf Stunden fällt. Eine Autoflower blüht, weil sie alt genug ist — sie richtet sich nicht nach der Zeitschaltuhr, sondern nach ihrem eigenen Kalender.

Autoflower stehen deshalb am liebsten durchgehend bei 18 bis 20 Stunden Licht. Schaltest du für die photoperiodische Sorte auf zwölf Stunden, blüht die Autoflower zwar trotzdem weiter — aber mit einem Drittel weniger Licht am Tag. Sie wird fertig, sie bringt nur weniger.

Umgekehrt geht es gar nicht: Achtzehn Stunden Licht halten die photoperiodische Sorte dauerhaft im Wachstum. Sie blüht nicht, sie wächst weiter — und wird irgendwann zu hoch fürs Zelt.

Praktisch heißt das: Wer beides mischt, entscheidet sich für einen der beiden Zyklen und nimmt den Nachteil der anderen Sorte in Kauf. Ein Kompromiss bei 13 oder 14 Stunden macht es für beide schlechter statt für eine gut.

Was beim Ernten im laufenden Zelt passiert

Der eigentliche Grund, warum die Frage in Foren immer wieder auftaucht, ist dieser Moment: Eine Pflanze ist reif, die andere braucht noch drei Wochen. Du musst also in einem laufenden Blütezelt schneiden.

Das geht, aber es hat Folgen. Du öffnest das Zelt länger als sonst, arbeitest mit Licht darin und wirbelst Staub und Pflanzenteile auf. Für die verbleibende Pflanze in der Endblüte ist das die empfindlichste Zeit überhaupt — Botrytis braucht wenig mehr als feuchte Luft und Bewegung im falschen Moment.

Zwei Dinge helfen: Schneide die reife Pflanze komplett und in einem Durchgang, statt über Tage einzelne Zweige zu nehmen. Und trockne sie nicht im selben Raum — die Trocknung braucht andere Luftfeuchte als die Blüte, und beides gleichzeitig geht in einem Zelt nicht.

Spülen — der Punkt, den die meisten übersehen

Wenn du vor der Ernte spülst, betrifft das nur die eine Pflanze. Die andere steht mitten in der Blüte und braucht weiter ihre Nährlösung. In einem gemeinsamen Topfsystem oder einem geteilten Reservoir geht das nicht getrennt.

In Erde ist es einfach: Jeder Topf wird einzeln gegossen, also spülst du einen und düngst den anderen weiter. In DWC oder einem gemeinsamen Tank ist es eine echte Einschränkung — dort teilen sich beide Pflanzen dieselbe Lösung, und eine davon bekommt zwangsläufig das Falsche.

Ob Spülen überhaupt nötig ist, behandelt das Kapitel Spülen vor der Ernte — die Antwort fällt zurückhaltender aus, als viele erwarten.

Höhe und Lichtabstand: zwei Sorten, eine Lampe

Sorten wachsen unterschiedlich hoch, und die Lampe hängt für beide gleich weit weg. Wird eine deutlich größer, steht sie zu nah — die andere bekommt dafür zu wenig ab.

Der übliche Ausgleich ist simpel: die kleinere Pflanze höher stellen, auf einen umgedrehten Topf oder eine Kiste. Das kostet nichts und gleicht zehn bis zwanzig Zentimeter mühelos aus. Wer stattdessen die Lampe höher hängt, verliert bei beiden Licht.

Vorbeugend hilft Training: Wer die größere Sorte rechtzeitig herunterbindet, hat später keinen Höhenunterschied auszugleichen. Der richtige Zeitpunkt dafür ist die Wachstumsphase, nicht die Blüte.

Rückwärts planen statt hoffen

Die meisten Probleme entstehen, weil der Abstand zwischen den beiden Ernten erst auffällt, wenn die erste Pflanze reif ist. Dabei steht er vorher fest: Beide Blütezeiten sind bekannt, beide starten am selben Tag mit der Umstellung auf zwölf Stunden.

Rechne beide Termine vor dem Umstellen durch — einmal je Sorte. Liegen sie zwei Wochen auseinander, ist das unproblematisch. Liegen vier oder mehr dazwischen, lohnt die Überlegung, die längere Sorte später in die Blüte zu schicken, indem man sie ein paar Wochen kürzer wachsen lässt.

Ob sich das Teilen der Fläche überhaupt lohnt, ist eine zweite Frage: Zwei Sorten auf derselben Fläche bringen zusammen nicht mehr als eine gut ausgenutzte. Was du erwarten kannst, schätzt der Ernteertrag-Rechner.

Was du dir notierst

Bei einer Sorte reicht das Gedächtnis. Bei zweien im selben Zelt nicht mehr — und zwar ab dem Tag der Umstellung, nicht erst bei der Ernte.

Wichtig sind drei Dinge je Pflanze: der Tag der Umstellung auf 12/12 (bei beiden derselbe, aber er ist der Nullpunkt für beide Rechnungen), die angegebene Blütezeit und der Tag, an dem du tatsächlich geschnitten hast. Die Differenz zwischen den letzten beiden ist die Zahl, die beim nächsten Mal zählt — Sortenangaben sind fast immer optimistisch.

Dazu, was du an der Pflanze gemacht hast, während die andere noch stand: wann gespült, wann getrimmt, wann das Zelt offen war. Wenn drei Wochen später etwas schiefgeht, steht die Ursache oft in genau diesen Zeilen.

Häufige Fragen

Gut zu wissen.

Kann ich zwei Sorten mit unterschiedlicher Blütezeit zusammen anbauen?

Bei zwei photoperiodischen Sorten ja, praktisch ohne Einschränkung: Beide stehen im selben Lichtzyklus und bekommen dasselbe Klima, sie sind nur unterschiedlich lange fertig. Zu klären ist, was beim Ernten der ersten Pflanze passiert, während die zweite noch blüht.

Kann ich Autoflower und photoperiodische Sorten mischen?

Nur mit einem Kompromiss. Autoflower blühen zeitgesteuert und wollen durchgehend 18 bis 20 Stunden Licht, photoperiodische Sorten blühen erst bei zwölf Stunden. Schaltest du auf 12/12, bringt die Autoflower weniger. Lässt du 18 Stunden laufen, blüht die photoperiodische Sorte gar nicht. Ein Mittelwert macht es für beide schlechter.

Wie ernte ich eine Pflanze, während die andere noch blüht?

In einem Durchgang und vollständig, statt über Tage einzelne Zweige zu nehmen. Das hält die Zeit kurz, in der das Zelt offen steht. Getrocknet wird außerhalb: Die Trocknung braucht andere Luftfeuchte als die Blüte, beides gleichzeitig geht in einem Zelt nicht.

Was mache ich mit dem Spülen, wenn nur eine Pflanze so weit ist?

In Erde kein Problem — jeder Topf wird einzeln gegossen, du spülst den einen und düngst den anderen weiter. In DWC oder an einem gemeinsamen Reservoir geht das nicht getrennt: Beide Pflanzen teilen dieselbe Lösung, und eine bekommt zwangsläufig das Falsche.

Was tue ich, wenn eine Sorte viel höher wird als die andere?

Die kleinere höher stellen, auf einen umgedrehten Topf oder eine Kiste. Das gleicht zehn bis zwanzig Zentimeter mühelos aus und kostet nichts. Die Lampe höher zu hängen ist die schlechtere Lösung — dabei verlieren beide Pflanzen Licht.

Wie weit dürfen die Erntetermine auseinanderliegen?

Zwei Wochen sind unproblematisch. Ab etwa vier Wochen lohnt die Überlegung, die länger blühende Sorte später in die Blüte zu schicken, indem man sie kürzer wachsen lässt. Beide Termine stehen vor der Umstellung fest und lassen sich vorher durchrechnen.

Bringen zwei Sorten zusammen mehr Ertrag als eine?

Nein. Der Ertrag hängt an der Fläche und am Licht, nicht an der Zahl der Sorten. Zwei Sorten auf derselben Fläche bringen zusammen nicht mehr als eine gut ausgenutzte — der Reiz liegt in der Auswahl, nicht in der Menge.

Was sollte ich mir bei zwei Sorten notieren?

Je Pflanze den Tag der Umstellung auf 12/12, die angegebene Blütezeit und den Tag, an dem tatsächlich geschnitten wurde. Die Differenz zwischen den letzten beiden ist die Zahl, die beim nächsten Durchgang zählt — Sortenangaben fallen fast immer optimistischer aus als die Wirklichkeit.

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